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Auf dem Bild ist das Ehrenmal mit den Namen der NS-Opfer zu sehen. Foto: SPD OV Bad Sachsa

27. Januar 2021: SPD-Ortsverein gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Carsten Georg „Wir stellen uns klar gegen den Faschismus!“

Heute, am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, hat der SPD-Ortsverein Bad Sachsa den unter der Nazi-Herrschaft ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürgern gedacht.

An dem Ehrenmal auf dem Sachsaer Friedhof hat der Vorsitzende des Ortsvereins, Carsten Georg, eine Kerze für die Opfer angezündet. Unweit der Friedhofskapelle wird hier an Adolf Klapproth, Albert Vieth, Dr. jur. Bernhard Meyer und Golda-Maria Ebschütz erinnert.

Carsten Georg dazu: „Gerade in einer Zeit, in der wir immer öfter mit menschenverachtenden Aussagen und Taten konfrontiert werden, wollen wir den Opfern des Nationalsozialismus gedenken und stellen uns klar gegen den Faschismus! Immer wieder müssen wir feststellen, dass die Relativierung der Nazi-Verbrechen schon fast salonfähig geworden ist. Gerade hier im Südharzkreis, an der Grenze zu Thüringen, hat insbesondere die AfD einen erschreckend hohen Stimmanteil gewinnen können. Hier müssen wir uns geschlossen entgegenstellen und dürfen keinen Millimeter nach rechts weichen. Dazu mahnt uns das Gedenken an die Opfer dieser Schreckensherrschaft.“

Gestiftet wurde das Ehrenmal auf dem Friedhof vom Sachsaer Stadtdirektor (Bürgermeister) Willi Müller. Willi Müller war Mitglied der SPD in Bad Sachsa und arbeitete bis 1933 als Postschaffner. Nach der Machtübernahme erließen die Nationalsozialisten das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, was dazu führte, dass Willi Müller aus dem Postdienst entlassen wurde, dadurch sein privates Vermögen verlor und nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 für sechs Wochen im Konzentrationslager Buchenwald interniert wurde.

Am 4. Mai 1945 wurde Willi Müller von der US-Besatzungsmacht zum Bürgermeister von Bad Sachsa ernannt. Noch am selben Tag sorgte er für die Freilassung der im Borntal internierten Kinder vom 20. Juli. Er wird mit den Worten „Und jetzt heißt ihr wieder so wie früher, ihr braucht euch eurer Namen und Väter nicht zu schämen, denn sie waren Helden“ zitiert.

Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Frank Kellner, sagte dazu: „Es erfüllt mich voller Respekt, wenn ich von Willi Müller höre. Er trotzte der Nazi-Herrschaft, versteckte sich und sein Parteibuch nicht und nahm dafür schlimmste Folgen in Kauf. Mit der Dauerausstellung über die Kinder des 20. Juli haben wir in Bad Sachsa einen ersten Beitrag zur Aufarbeitung unserer Geschichte geleistet. Ein zweiter und folgerichtiger Schritt wäre nun, das Gedenken an Adolf Klapproth, Albert Vieth, Dr. jur. Bernhard Meyer und Golda-Maria Ebschütz weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Als SPD-Fraktion werden wir den Antrag stellen, auch mit Stolpersteinen in Bad Sachsa an die Opfer zu erinnern. Hierzu wäre es dringend an der Zeit und bestimmt ganz im Sinne von Willi Müller.“

Hintergrundinformation:

Golda-Maria Ebschütz wurde wegen angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen von den Nazis zur Halbjüdin erklärt, nach Nordhausen deportiert und ist 1943 unter nicht genau geklärten Umständen – vermutlich in einem Konzentrationslager – ums Leben gekommen.

Adolph Klapproth, wurde bereits im August 1932 zusammen mit anderen Reichsbanner-Mitgliedern - einer Vereinigung, die u.a. von der SPD zum Schutz der Weimarer Republik vor radikalen Kräften gebildet wurde - von Nazis überfallen und angeschossen. Wenige Tage später verstarb er.

Albert Vieth, Mitglied der KPD Bad Sachsa, wurde 1941 wegen des Abhörens ausländischer Sender zu drei Jahren Zuchthaus und zum Verlust der sogenannten bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. 1944 wurde er in einem Arbeitslager ermordet.

Dr. jur. Bernhard Meyer wurde 1942 in den Tod getrieben. Dr. Meyer galt trotz seines Übertritts zum Christentum als jüdischer Einwohner und musste deshalb im Jahr 1933 seine Kanzlei schließen. Hiergegen legten 74 Bürgern der Stadt Protest beim Preußischen Innenministerium ein. Durch Druck der Stadt Bad Sachsa widerriefen sie jedoch ihren Protest und die Kanzlei musste geschlossen bleiben. Kurz vor seiner Deportation 1942 nahm sich Dr. Meyer das Leben.

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