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Antrag STOLPERSTEINE Foto: SPD OV Bad Sachsa

21. Februar 2021: SPD-Fraktion stellt Antrag auf STOLPERSTEINE

Kellner: „Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sollten die Geschichte ihrer Heimat kennen“

Für die anstehende Sitzung des Bauausschusses hat die SPD-Fraktion im Stadtrat den Antrag auf Verlegung von STOLPERSTEINEN in Bad Sachsa gestellt.

Die STOLPERSTEIN-Initiative ist eine Idee des Künstlers Gunter Demnig und wird seit 2015 von der gemeinnützigen „STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig“ geführt. Bereits seit 1993 verlegt Demnig die 96 x 96 mm großen Messingsteine in Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit, indem er die Steine vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der NS-Opfer in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas.

Kern des Projekts ist das individuelle Gedenken an jedes einzelne Opfer. In diesem Zusammenhang zitiert der Künstler oft eine Stelle aus dem Talmud: „Eine Person ist erst dann vergessen, wenn man sich nicht mehr an ihren Namen erinnert.”

Zum Antrag der SPD-Fraktion sagte der Fraktionsvorsitzende Frank Kellner: „STOLPERSTEINE erinnern uns an die Menschen, die in und für unsere Stadt gelebt und gewirkt haben. Diesen Menschen gehört ein Platz in unserer Geschichte und unserem Gedenken. Auch vor dem Hintergrund unserer historischen Verantwortung für die Unterbringung der „Kinder des 20. Juli“ im Borntal. Die Vergangenheit sensibilisiert uns für die Zukunft und zeigt uns, wie wichtig eine offene und tolerante Gesellschaft ist. Wir als Fraktion haben deshalb nicht nur den Antrag gestellt, die STOLPERSTEINE verlegen zu lassen. Wir würden uns zudem darüber freuen, wenn wir auch unsere ortsansässigen Schulen in dieses Projekt einbinden können. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sollten die Geschichte ihrer Heimat kennen. Die Verlegung dieser Steine sollte ein Projekt aller Sachseraner sein – von jung und alt.“

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Carsten Georg, ergänzte: „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und der Kampf gegen rechts und für Vielfalt und Toleranz in unserer Gesellschaft ist ein Kernanliegen der SPD. Wir als Ortsverein werden dieses Projekt deshalb auch finanziell unterstützen und hoffen, dass sich auch andere Parteien, sowie Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt dem anschließen. Der 27. Januar erinnert uns alle jedes Jahr an die Opfer des Nationalsozialismus. Unser ehemaliger Bürgermeister, Stadtdirektor und SPD-Mitglied, Willi Müller, der ebenfalls unter den Repressalien der Nazis litt, hatte deshalb auch auf unserem Friedhof einen Gedenkstein setzen lassen. Dieses Andenken wird nun durch die STOLPERSTEIN-Initiative sinnvoll ergänzt.“

Antrag STOLPERSTEINE Foto: SPD OV Bad Sachsa

Hintergrundinformationen

Weitere Informationen zu der STOLPERSTEIN-Initiative finden Sie auch unter www.stolpersteine.eu .

Aus Sicht der SPD-Fraktion kommen derzeit STOLPERSTEINE für folgende Personen in Frage:

  • Golda-Maria Ebschütz (gest. 1943, whf. Ringstraße 23) wurde wegen angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen von den Nazis zur Halbjüdin erklärt, nach Nordhausen deportiert und ist 1943 – vermutlich im Konzentrationslager Auschwitz – ermordet worden.
  • Adolph Klapproth (gest. 1932, whf. Ringstraße 18) wurde bereits im August 1932 zusammen mit anderen Reichsbanner-Mitgliedern - einer Vereinigung, die u.a. von der SPD zum Schutz der Weimarer Republik vor radikalen Kräften gebildet wurde - von Nazis überfallen und angeschossen. Wenige Tage später verstarb er.
  • Albert Vieth (gest. 1944, whf. Uffestraße 1) Mitglied der KPD Bad Sachsa, wurde 1941 wegen des Abhörens ausländischer Sender zu drei Jahren Zuchthaus und zum Verlust der sogenannten bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. 1944 wurde er in einem Arbeitslager ermordet.
  • Dr. jur. Bernhard Meyer (gest. 1942, Sitz der Kanzlei in der Marktstraße 8/9) galt trotz seines Übertritts zum Christentum als jüdischer Einwohner und musste deshalb im Jahr 1933 seine Kanzlei schließen. Hiergegen legten 74 Bürgern der Stadt Protest beim Preußischen Innenministerium ein. Durch Druck der Stadt Bad Sachsa widerriefen sie jedoch ihren Protest und die Kanzlei musste geschlossen bleiben. Kurz vor seiner Deportation 1942 nahm sich Dr. Meyer das Leben.
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